Toolchanger vs. AMS: Was ist 2026 die bessere Wahl?

Avatar
Lisa Ernst · 29.01.2026 · Technik · 7 min

Der Mehrfarben-3D-Druck hat die additive Fertigung revolutioniert. Systeme wie das Bambu Lab AMS haben diese Technologie zugänglicher und effizienter gemacht. Doch wie schlagen sich diese gegen fortschrittliche Toolchanger-Systeme, insbesondere im Hinblick auf Abfall, Zeit und Druckqualität? Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen und wagt einen Blick in die Zukunft.

Kurz & knapp: Die wichtigsten Punkte im Überblick

Das automatische Materialsystem (AMS) von Bambu Lab

Das Bambu Lab AMS, kurz für Automatisches Materialsystem, ist ein Paradebeispiel dafür, wie der Mehrfarben- und Multi-Material-3D-Druck für eine breitere Nutzerbasis zugänglich gemacht wird. Es handelt sich um ein intelligentes System, das mit einer 32-Bit-MCU, Sensor-Arrays und Aktuatoren ausgestattet ist. Ein smarter Algorithmus steuert die Filamentzufuhr, was den Druckprozess erheblich vereinfacht und erweitert. Ich finde, die Möglichkeit, verschiedene Filamente nahtlos zu wechseln, ist ein echter Gamechanger für viele Projekte.

Funktionsweise und Kompatibilität

Das AMS ist mit den meisten gängigen Filamenten wie PLA, ABS, ASA, PETG und PC kompatibel. Sogar wasserlösliches Stützmaterial wie PVA kann verwendet werden. Eine der beeindruckendsten Funktionen ist die nahtlose Umstellung auf eine neue Spule, wenn das Filament zur Neige geht. Dies minimiert Materialabfall und stellt sicher, dass der Druck fortgesetzt werden kann. Zusätzlich bietet es eine Filament-Backup-Funktion für unterbrechungsfreies Drucken. Das System ist zudem in der Lage, Filamentverwicklungen zu erkennen und den Druck zu unterbrechen, um sogenannte "Luftdrucke" zu vermeiden.

Bambu Lab AMS automatisches Materialsystem Gerät. 2|Dieses Bild zeigt das Bambu Lab AMS mi…

Quelle: meltbro.de

Das AMS-Basissystem ermöglicht den Einsatz verschiedener Filamente, hat aber auch klare Einschränkungen bei bestimmten Materialtypen.

Feuchtigkeitskontrolle und Materialmanagement

Ein kritischer Aspekt für die Druckqualität, besonders bei hygroskopischen Materialien, ist die korrekte Lagerung der Filamente. Das Bambu Lab AMS besitzt eine luftdichte Versiegelung und verwendet Trockenmittel, um Feuchtigkeit fernzuhalten. Ein integrierter Feuchtigkeitssensor informiert den Benutzer über die Luftfeuchtigkeit und den Zustand des Trockenmittels. Jedes Bambu Lab AMS bietet Platz für vier Filament-Slots; bis zu vier AMS-Einheiten können parallel installiert werden, um bis zu 16 Farben oder Materialien zu verwalten. Dies eröffnet enorme kreative Möglichkeiten.

Kompatibilität und Einschränkungen

Trotz seiner Vielseitigkeit gibt es Materialien, die mit dem AMS nicht kompatibel sind. Dazu gehören Filamente, die zu weich, spröde oder abrasiv sind, wie beispielsweise Bambu PET-CF/TPU 95A, TPE, nasses PVA oder BVOH, sowie PA-CF/GF und PAHT-CF/GF. Bei der Verwendung von Kartonspulen empfiehlt sich ein Spulenadapter, um Rutschgefahr und Ablagerungen im System zu reduzieren. Das Basismodell des Bambu Lab AMS ist ab 239,00 € erhältlich (Stand: Januar 2026).

Bambu Lab AMS 2 Pro und AMS HT: Die nächste Generation

Das Bambu Lab AMS 2 Pro stellt eine signifikante Weiterentwicklung dar und ist ab 289,00 € erhältlich (Stand: Januar 2026). Es bietet aktive Filamenttrocknung bei bis zu 65 °C und nutzt elektromagnetische Ventilationsöffnungen. Die Spulen werden regelmäßig gedreht, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten – ein Feature, das ich persönlich sehr schätze, da es die Materialqualität erheblich verbessert.

Bambu Lab AMS 2 Pro Filamenttrocknungssystem. 1|Dieses Bild zeigt eine klare Frontansicht…

Quelle: 3djake.ch

Das AMS 2 Pro revolutioniert die Materialhandhabung mit aktiver Trocknung bei 65°C und intelligenter RFID-Erkennung für optimale Filamentpflege.

Ein nützliches Feature ist die RFID-Erkennung von Bambu-Filamenten, die automatisch die passenden Trocknungseinstellungen anwendet. Ein bürstenloser Servomotor sorgt für eine um 60 % schnellere Filamentzufuhr, und freiliegende PTFE-Schläuche vereinfachen die Wartung. Für professionelle Anwendungen können bis zu vier AMS 2 Pro- und acht AMS HT-Geräte für den Multi-Material- oder 24-Farben-Druck zusammengeschaltet werden. Das Bambu Lab AMS HT, erhältlich ab 139,00 € (Stand: Januar 2026), bietet eine noch höhere Filamenttrocknung mit bis zu 85 °C.

Alternative Ansätze: Toolchanger und der Anycubic Kobra X

Neben dem AMS-System von Bambu Lab gibt es andere Hersteller, die innovative Lösungen für den Mehrfarben- und Multi-Material-Druck anbieten. Diese Systeme verfolgen oft andere Philosophien, die je nach Anwendungsfall deutliche Vorteile bieten können.

Anycubic Kobra X: Vielseitigkeit und Effizienz

Der Anycubic Kobra X ist ab Werk mit einer 4-Farb-Multicolor-Druckfunktion ausgestattet und kann durch zusätzliche Module auf bis zu 19 Farben erweitert werden. Laut Anycubic können so 30 % bis 50 % Zeit und bis zu 80 % Materialabfall im Multicolor-Druck eingespart werden. Er unterstützt Soft/Hard-Multi-Materialdruck, beispielsweise TPU mit PLA oder PVA. Die Möglichkeit, so viele Farben zu nutzen und dabei Material zu sparen, ist beeindruckend.

Anycubic Kobra X 3D-Drucker Detail. 6|Dieses Bild zeigt einen 3D-Drucker der Marke "ANYCUB…

Quelle: de.anycubic.com

Der Anycubic Kobra X ermöglicht mit seiner 4-Farb-Funktion und erweiterbaren Modulen bis zu 19 Farben bei deutlich reduziertem Materialabfall.

Toolchanger-Systeme: Präzision und minimaler Abfall

Toolchanger-Systeme, wie sie von Prusa XL oder Proforge 4 angeboten werden, stellen eine weitere fortschrittliche Methode dar. Diese Systeme, zu denen auch das Projekt Voron TapChanger gehört, sind effizienter im Materialverbrauch als AMS-Systeme, da sie weniger Materialverlust verursachen. Sie ermöglichen es, Hotends einzeln auf Temperatur zu halten, um Wechselzeiten zu minimieren. Ein umgebauter Ender3-Pro mit SingleNozzle und zwei Direkt-Extrudern demonstriert Toolchange-Zeiten von knapp einer Sekunde, wobei das alte Filament zurückgezogen und das neue eingefahren werden kann, ohne einen Reinigungsturm zu benötigen, solange überschüssiges Material im Infill verschwindet. Das ist ein großer Vorteil, wenn es um komplexe Drucke mit vielen Farbwechseln geht.

Bambu Lab H2C: Eine Hybridlösung

Der Bambu Lab H2C, welcher für Prosumer, ambitionierte Maker und kleinere Unternehmen gedacht ist, vereint eine feste linke Düse mit einem rechts montierten Vortek-Dock, das bis zu sechs wechselbare Hotends aufnehmen kann. Damit lassen sich bis zu sieben Materialien in einem Druckjob verwenden. Das Vortek-System reduziert Purge-Mengen massiv und verkürzt die Materialwechselzeiten im Vergleich zu traditionellen AMS-Systemen. Für hauptsächlich einfarbige PLA-Teile bietet der H2C jedoch keinen signifikanten Vorteil gegenüber anderen Bambu-Modellen. Er ist eher für anspruchsvolle Multi-Material-Anwendungen konzipiert.

Vergleich: AMS vs. Toolchanger

Um die Unterschiede zwischen AMS- und Toolchanger-Systemen besser zu verstehen, habe ich eine kleine Vergleichstabelle erstellt:

Merkmal Bambu Lab AMS Toolchanger-Systeme (z.B. Prusa XL, H2C)
Materialabfall Höher (durch Purge-Türme) Deutlich geringer (weniger oder kein Purging)
Wechselzeiten Länger (Filament muss zurückgezogen und neu geladen werden) Kürzer (Hotends bleiben oft vorgewärmt, schnelle Düsenwechsel)
Materialvielfalt Gut, aber Einschränkungen bei weichen/abrasiven Filamenten Sehr gut, da separate Düsen und Extruder für verschiedene Materialien
Komplexität Eher gering, benutzerfreundlich Höher, erfordert oft mehr mechanisches Verständnis
Kosten (Tendenz) Erschwinglicher für Einsteiger Oft teurer, aber Preise fallen voraussichtlich
Typische Anwender Einsteiger, Hobbyisten, Prosumer Ambitionierte Maker, Prosumer, kleine Unternehmen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Hauptvorteil eines Toolchangers gegenüber einem AMS?

Der Hauptvorteil eines Toolchangers liegt im deutlich geringeren Materialabfall und den kürzeren Wechselzeiten. Da bei Toolchangern die Düsen komplett gewechselt werden, entfällt oft der Bedarf an großen Purge-Türmen, die bei AMS-Systemen notwendig sind, um Filamentrückstände zu entfernen.

Welche Materialien sind nicht mit dem Bambu Lab AMS kompatibel?

Das AMS ist nicht kompatibel mit Filamenten, die zu weich, spröde oder stark abrasiv sind. Dazu gehören beispielsweise Bambu PET-CF/TPU 95A, TPE, nasses PVA oder BVOH, sowie PA-CF/GF und PAHT-CF/GF. Diese Materialien können zu Verstopfungen oder Beschädigungen im System führen.

Kann ich ein AMS mit einem Toolchanger-System kombinieren?

Die direkte Kombination eines AMS mit einem Toolchanger ist komplex, da beide Systeme unterschiedliche Ansätze zur Materialverwaltung verfolgen. Der Bambu Lab H2C ist ein Beispiel für eine Hybridlösung, die Elemente beider Systeme integriert, um die Vorteile zu nutzen. Zukünftige Entwicklungen könnten weitere Synergien ermöglichen, aber aktuell ist es noch eine technische Herausforderung.

Fazit: Die Zukunft des Multicolor-Drucks

Die Entwicklung im Bereich des Multicolor- und Multi-Material-3D-Drucks schreitet rasant voran. Systeme wie das Bambu Lab AMS sind entscheidende Schrittmacher, um diese komplexen Verfahren für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen und die Effizienz des 3D-Drucks zu steigern. Ich persönlich bin gespannt, wie sich die Technologie in den nächsten Jahren weiterentwickelt.

Während klassische AMS-Systeme ihre Stärken in der Zuverlässigkeit und Anwenderfreundlichkeit haben, zeigen Toolchanger-Systeme und neuartige Konzepte wie der Bambu Lab H2C das Potenzial für eine drastische Reduktion von Materialabfall und eine Beschleunigung des Druckprozesses. Es bleibt spannend zu beobachten, welche Innovationen die kommenden Jahre in diesem dynamischen Feld noch hervorbringen werden und wie sich die verschiedenen Ansätze – vom Komfort des AMS bis zur Effizienz von Toolchangern – weiterentwickeln und möglicherweise miteinander verschmelzen. Die additive Fertigung wird durch diese Fortschritte zunehmend flexibler und leistungsfähiger, was sowohl kreativen Köpfen als auch professionellen Anwendern neue Möglichkeiten eröffnet.

Quelle: YouTube

Teilen Sie doch unseren Beitrag!
Quellen